Produkt entwickeln: Der Weg zum eigenen Produkt

Dieser Artikel dient als Anleitung zur Entwicklung eines eigenen Produktes. Von der Recherche, über die Ausarbeitung von USPs bis hin zur Suche nach Herstellern und Vertriebswegen werden alle Schritte abgedeckt.
Produkt entwickeln
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Lesezeit 25 Minuten

Wer ein eigenes physisches Produkt auf den Markt bringen möchte, wird sich früher oder später mit Produktrecherche und -entwicklung auseinandersetzen müssen. Viele Anfänger stoßen dabei zunächst auf Schwierigkeiten, denn die potenzielle Produktauswahl ist gigantisch und es gibt hunderte Möglichkeiten, ein Produkt zu variieren. Mit welcher Methode findet man also geeignete Produkte, das sich später auch verkauft und gibt es eine Anleitung, um den gesamten Prozess anhand von klaren Arbeitsschritten durchzuführen? 

Neben der Produktrecherche ist besonders die Produktentwicklung ein Thema, mit so vielen notwendigen Arbeitsschritten, dass eine fehlerfreie Umsetzung für Anfänger ohne klare Anleitung nur schwierig umzusetzen ist. Daher werden in diesem Artikel alle Schritte von der Recherche bis hin zum verkaufsbereiten Produkt so erklärt, dass sie jeder 1:1 kopieren und der Reihe nach abhaken kann. Wer die Arbeitsschritte in diesem Artikel genauso umsetzt, wird am Ende ein Produkt entwickelt haben, welches sich beispielsweise auf bekannten E-Commerce-Plattform mit hoher Wahrscheinlichkeit gut verkaufen wird. 

Dieser Artikel ist für jeden geeignet, der sich noch auf der Suche nach einer geeigneten Produktidee befindet oder nicht weiß, wie er das Potenzial seiner vorhandenen Idee genau kalkuliert, die richtigen Alleinstellungsmerkmale findet und das Produkt anschließend produzieren lässt. Im ersten Abschnitt geht aber erstmal los, mit einer vielfach bewährten Strategie zur Produktfindung. 

Produktideen finden: Die besten Strategien

Wieso braucht man eigentlich eine Anleitung für Produktrecherche? Eigentlich braucht man für die Recherche nach Produkten keine Anleitung, denn überall wo man Produkte sieht, kann man potenzielle Produktideen finden. Viele wissen jedoch nicht, dass sich nicht jedes Produkt für den Handel im E-Commerce eignet. Bevor man also an die Umsetzung seines Produktes geht, ist eine ausführliche Marktrecherche entscheidend, um das Risiko einer Fehlinvestition so gut wie möglich auszuhebeln. Eine gute Variante ist es daher, direkt auf E-Commerce-Plattformen nach potenziellen Produkten zu recherchieren. 

Aber wieso sollte man ein Produkt auf den Markt bringen, welches bereits von vielen anderen Sellern verkauft wird? Eine gute Produktidee definiert sich nicht unbedingt dadurch, dass man ein völlig neues Produkt erfindet, sondern ein bestehendes Produkt verbessert. Dieser Ansatz ermöglicht es, sowohl bei der Recherche als auch bei der Entwicklung einer klaren analytischen Anleitung zu folgen, die keinerlei Kreativität erfordert, sondern 1:1 repliziert werden kann, und zwar für jedes Produkt. Alle Entscheidungen der folgenden Anleitung basieren auf Kennzahlen und Fakten, wodurch sich jegliches Risiko fast vollständig eliminieren lässt. 

1. Produktrecherche über Amazon 

So gut wie jeder hat schon einmal etwas bei Amazon gekauft. Sei es wegen der unkomplizierten Abwicklung, den schnellen Lieferzeiten oder dem riesigen Sortiment – es gibt viele Gründe, bei Amazon einzukaufen. Doch Amazon ist nicht nur für Kunden attraktiv, sondern auch für Verkäufer. Mittlerweile gibt es sogar mehr Produkte von Dritthändlern, als von Amazon selbst, wodurch eine riesige Auswahl angeboten wird, die wiederum mehr Kunden anzieht. Aber warum ist Amazon für den Anfang so gut geeignet? 

Eine eigene Marke aufzubauen ist ziemlich kapitalintensiv, da man zunächst Geld in Waren investieren muss. Bei vielen Gründern reicht es deshalb nicht für mehr als ein Produkt. Würde man sich jetzt mit einem Produkt einen Online-Shop aufbauen, hätte man gegen die große Konkurrenz so gut wie keine Chance. Platziert man sein Produkt jedoch auf Amazon, kann man sich direkt als große Marke präsentieren, Bestseller in seiner Nische werden und fünfstellige Monatsumsätze erzielen. 

Amazon liefert Millionen von kaufbereiten Kunden, denen ein gutes Produkt einfach nur ausgespielt werden muss. Ein weiterer Grund ist, dass man seine Produkte über das FBA-Programm von Amazon Lagern, verpacken und per Prime verschicken lassen kann, sich also nicht um logistische Aufgaben im B2C-Bereich kümmern muss. Das ist nicht nur eine enorme Entlastung, sondern erspart Gründern viel Geld.

Die folgende Methode zur Produktrecherche findet auf Amazon statt und eignet sich daher ideal, wenn man später auch auf Amazon verkaufen möchte. Wer sich bereits zu 100 % sicher ist, dass er nicht über Amazon verkaufen wird, kann Amazon natürlich trotzdem zur Inspiration nutzen, muss aber nicht in dieser Ausführlichkeit vorgehen. Im folgenden Artikel gibt es einen umfangreichen Vergleich zwischen einem eigenen Online-Shop und Amazon FBA. Wer noch am Anfang steht und über geeignete Vertriebskanäle nachdenkt, sollte diesen unbedingt lesen: Online Shop eröffnen vs. Marktplatz nutzen

Datenbasierte Entscheidungen treffen 

Um maximale Klarheit zu gewährleisten und fundierte Entscheidungen treffen zu können, ist ein Tool bei der Produktrecherche auf Amazon unumgänglich. Mit diesem lassen sich relevante Kennzahlen wie Umsatz und Verkaufshistorie zu jedem Produkt ermitteln. Das beste Tool in diesem Bereich ist Helium10 bzw. die Chrome-Extension X-Ray, die man zunächst kostenlos testen und anschließend für $17 (ca. 14,50 €) monatlich abonnieren kann. Chrome Extension bedeutet, dass es sich um ein Browser-Plugin handelt, welches man im Chrome-Web-Store herunterladen kann. 

Das grundsätzliche Prinzip der Produktrecherche ist es, sich sprichwörtlich in Amazon zu verlieren und so auf interessante Produkte zu stoßen. Man klickt sich also durch Kategorien, Suchergebnisse und Vorschläge, ohne dabei einem klaren Prinzip zu folgen. Das alleine reicht jedoch nicht aus, denn ohne den richtigen Blick wird man noch so lange suchen können und das Gefühl haben, kein einziges gutes Produkt zu finden. Mit der folgenden Herangehensweise wird das nicht passieren, da man zuerst sehr breit recherchiert und die Produkte anschließend anhand einiger wichtiger Faktoren aussiebt. Um geeignete Produktvorschläge zu erhalten, kann man unter anderem die folgende Strategien anwenden: 

  • Kategorien: Auf Amazon gibt es diverse Kategorien mit mehreren Unterkategorien. Je größer eine Kategorie ist, desto verschiedener sind die Produkte darin. In Baumarkt ist z.B. sowohl eine Schaufel, als auch eine Gartenschere enthalten. Wenn man sich also durch die Ergebnisse einer größeren Kategorie klickt, entdeckt man viele unterschiedliche Produkte in den Unterkategorien. Da ist immer etwas Interessantes dabei! Hier findet man eine Übersicht aller Kategorien, die es auf Amazon gibt.
  • Auto-Suggest:  Wenn man auf Amazon nach etwas sucht, erscheinen unterhalb des Eingabefelds passende Suchvorschläge. Mit dieser Funktion kann man etwas herumprobieren und z.B. einzelne Buchstaben oder Buchstabenkombinationen eingeben und die entsprechenden Vorschläge anklicken. Amazon schlägt einem immer die Begriffe vor, die aktuell am meisten gesucht werden. Man kann die Vorschläge daher auch als erste grobe Markteinschätzung betrachten und völlig neue Ideen finden.

    Tipp: Es lassen sich auch beide Varianten kombinieren, indem man die Suchvorschläge in bestimmten Kategorien anschaut. Das ist besonders hilfreich, wenn man eine Marke in einem Bereich aufbauen möchte. 
  • Listen: Amazon stellt Listen mit Produkten aus verschiedenen Kategorien oder Unterkategorien zur Verfügung. Von der Startseite ausgehend gelangt man beispielsweise zur Bestseller-Liste, Neuheiten oder Blitz-Angeboten. Auch ein guter Einstiegspunkt für die Produktrecherche. 

Besonders am Anfang begehen viele den Fehler, sich aufgrund der Nische und vermeintlich negativen Produktspezifikationen stark einzuschränken. Früher wurde z.B. oft gesagt, ein geeignetes Produkt sollte etwa nicht größer als ein Schuhkarton, wiegt nicht viel und benötigt keine Zertifikate. Der Erfolg eines Produktes ist jedoch nicht von solchen Faktoren abhängig, sondern viel mehr von den USPs. Genauso ist es mit der Konkurrenz: wieso sollte man nicht in einen Markt mit viel Angebot und Nachfrage gehen, wenn man die besten USPs hat?  Natürlich gibt es Produkte, die mit geringem Startkapital faktisch nicht gelauncht werden sollten. Das trifft dann zu, wenn der potenzielle Absatz so hoch ist, dass eine rechtzeitige Nachbestellung nicht mehr möglich ist. Wer also am Anfang 500-1.000 Einheiten bestellt, sollte sich auf Nischen mit 150-300 Bestellungen pro Monat konzentrieren. 

Systematisches Vorgehen

Am besten erstellt man sich für die Recherche eine Excel-Tabelle, in die man alle Produkte einfügt, die sich über 150 Mal im Monat verkaufen. Warum genau 150? Der Launch eines Produktes erfordert zunächst Arbeit und Kapital. Wenn sich ein bereits etabliertes Produkt unter 150 Mal verkauft oder sich die gesamte Nische in diesem Bereich bewegt, ist das Potenzial einfach zu gering. Die nötige Arbeitszeit und das Kapital wird sich nämlich nicht von der Entwicklung eines Produktes mit 300 Bestellungen pro Monat unterscheiden. 

Systematische Produktentwicklung ist grundsätzlich immer an dieselben Schritte geknüpft und die meisten Hersteller akzeptieren keine Bestellmengen unter 500 Stück. Wenn sich ein Produkt also 100 Mal im Monat verkauft, würde man seinen Cashflow stark einschränken und Kapital unnötig an Ware binden, die zusätzlich höhere Lagerkosten verursacht. Das Ziel sollte es sein, immer für 1-2 Monate Lagerbestand zu haben. So hat man genug Zeit zum Nachbestellen, geht nicht Out of Stock und bindet nicht mehr Kapital an Waren als erforderlich. E-Commerce mit physischen Produkten ist ein sehr Cashflow intensives Business, weshalb man seine Liquidität immer im Blick behalten und vorausplanen sollte. 

Zu Beginn legt man sich also eine Excel-Tabelle an, in der man alle potenziellen Produkte auflistet. Das ist wichtig, da man die Produkte im zweiten Schritt anhand verschiedener Kriterien überprüft. So filtert sich am Ende das richtige Produkt heraus und man kann mit der Patentrecherche, den USPs und der Produktkalkulation weitermachen. So funktioniert es: 

  1. Minimum pro Monat: Man sucht auf Amazon.de nach Produkten, die sich über 150 Mal verkaufen. Dafür klickt man auf das entsprechende Produkt und anschließend auf die X-Ray Extension oben rechts im Browser. Das Tool zeigt einem nun die monatlichen Verkäufe des Produkts an. Ist die Zahl über 150, kommt das Produkt auf die Liste. Das macht man so lange, bis ca. 20-30 Produkte auf der Liste stehen. Anschließend wird jedes Produkt bzw. jede Nische auf die folgenden Eigenschaften untersucht. Mit der Zeit wird man die folgenden Kriterien auswendig kennen und kann gewisse Produkte direkt bei der Recherche ausschließen (Zeit sparen). 
  1. Nachfrage: Wenn ein Produkt keine bestehende Nachfrage hat, erhöht man das Risiko einer Fehlinvestition. Die Nachfrage kann man anhand der Nische überprüfen, indem man das Hauptkeyword bei Amazon eingibt und X-Ray auf der Ergebnisseite anwendet. So erhält man eine tabellarische Übersicht über alle Produkte und deren Kennzahlen auf der ersten Seite. Die Markttiefe und Anzahl der Verkäufer spielt bei der Bewertung keine Rolle. Wenn ausreichend Nachfrage vorhanden ist, wird man mit besseren Alleinstellungsmerkmalen auch erfolgreich launchen können. 
  1. Größe & Gewicht: Je schwerer und größer ein Produkt ist, desto teurer ist der Versand. Das sollte einem bewusst sein, ist aber kein Kriterium für den Ausschluss. Erst bei der groben Produktkalkulation wird sich zeigen, wie viel Startkapital in etwa erforderlich ist. Größere Produkte verlangen womöglich auch ein höheres Kapital für die Warenbeschaffung.
  1. Saisonalität: Manche Produkte verkaufen sich z.B. im Winter öfter als im Sommer und umgekehrt. Das heißt, der Verkaufserfolg ist an eine Saison geknüpft. Wer gerade sein erstes Produkt auf den Markt bringt, sollte sich eher nicht auf saisonale Produkte fokussieren, um am Anfang kein Risiko einzugehen. Die Saisonalität eines Produktes erfährt man über X-Ray (auf das Listing klicken und Verkaufshistorie prüfen) oder Google Trends. 
  1. Varianten: Wenn man z.B. Kleidung kauft, kann man innerhalb des Listings meistens die Größe und vielleicht auch die Farbe auswählen. Das nennt man Varianten. Ein Produkt ist also in mehr als nur einer Ausführung vorhanden. Je mehr Varianten es gibt, desto komplizierter wird die Lagerbestandsplanung. Ein T-Shirt mit drei Größen und drei Farben ergibt bereits 9 Varianten! Wenn Varianten unerlässlich sind, beschränkt man sich am besten auf maximal 5 Varianten bei einem Attribut (z.B. Farbe oder Größe). Nicht vergessen, es handelt es sich immer noch um ein Listing. Varianten erhöhen den Aufwand, aber nicht unbedingt die Sales. 
  1. Verkaufspreis: Je teurer ein Produkt ist, desto höher sind in der Regel Einkaufspreis und Gewinn. Die Auswirkung des Preises auf die Sales hängt ganz von der Nische ab. Es gibt z.B. Märkte, in denen Premium-Produkte eine hohe Beliebtheit haben, während in anderen Nischen interessierte Käufer eher nach günstigsten Angeboten suchen. Die Preiskategorie für ein Produkt richtet sich zudem nach den verfügbaren finanziellen Mitteln.
  1. Startkapital: Man kann zwar nicht direkt herauslesen, wie viel ein Produkt auf Amazon im Einkauf kostet, jedoch die groben Kosten überschlagen. In der Regel beträgt der Einkaufspreis ca. 25 Prozent vom Verkaufspreis. Multipliziert man diese Zahl mit dem monatlichen Absatz, kennt man die ungefähre Investition für 30 Tage Lagerbestand. Wenn das Ergebnis das vorhandene Startkapital übersteigt, scheidet dieses Produkt aus. 
  1. Komplexe  Produkte: Grundsätzlich sollte man keine Produkte aufgrund von Vorurteilen oder Prinzipien ausschließen. Dennoch gibt es Kategorien, die sich für den Anfang eher weniger eignen, da umfangreiche Zertifikate oder Richtlinien einzuhalten sind. Dazu gehören u.a. alle Produkte ab 18, Lebensmittel sowie Supplements und vor allem Elektronikprodukte. 
  1. Konkurrenz: Einer der wichtigsten Faktoren bei der Recherche ist die Konkurrenz. Besonders relevant sind hier Listings und Bewertungen. Je mehr gute Bewertungen die Konkurrenz hat, desto schwieriger wird es am Anfang. Ein weiteres Kriterium ist die Optimierung der Konkurrenz. Wenn diese bereits ein top optimiertes Listing mit guten Bewertungen hat, wird ein Einsteig natürlich schwieriger. Trotzdem kommt es hier wieder auf die USPs des Produkts sowie die allgemeine Nachfrage im Markt an. Hat die Konkurrenz kein optimiertes Listing oder sogar schlechte Bewertungen, ist das eine ideale Chance für den erfolgreichen Einstieg in den Markt. 

Nachdem man jedes Produkt bzw. jede Nische auf diese Eigenschaften geprüft und die Ergebnisse in der Excel-Tabelle festgehalten hat, muss man sich nur noch für ein Produkt entscheiden. Gerade am Anfang kann es passieren, dass sich in den ersten Durchgängen noch kein geeignetes Produkt in der Tabelle befindet. Das ist aber völlig normal und sollte einen nicht entmutigen. Die Produktrecherche darf ruhig etwas Zeit kosten, immerhin bildet sie das Fundament für alle weiteren Schritte und den Erfolg des ersten Produktes. 

Produktrecherche über andere Seiten

Bei Amazon handelt es sich um die größte deutsche Produktsuchmaschine. Mit ziemlicher Sicherheit findet man hier also die meisten Produktideen. Wer später nicht auf Amazon verkaufen möchte oder nach weiteren Inspirationen sucht, kann natürlich auch auf anderen Shops und Seiten nach Inspirationen suchen. 

1. Amazon.com (USA)

Auf der amerikanischen Amazon Seite findet man manchmal Produkte, die es so noch gar nicht in Deutschland gibt. Einerseits ist das natürlich eine Chance, andererseits auch ein Risiko, denn wenn das Produkt wirklich neu ist, gibt es dazu noch keine Nachfrage auf Amazon.de. Die Recherche nach Produkten auf der amerikanischen Plattform eignet sich eher, um USPs herauszufinden, die auf dem deutschen Markt noch nicht umgesetzt wurden. 

2. Alibaba.com

Alibaba ist die größte B2B-Plattform und wird bei der Herstellersuche eine große Rolle spielen. Dennoch kann es sich auszahlen, schon während der Produktrecherche vorbeizuschauen. Ähnlich wie bei Amazon kann man auf der Startseite beginnen und sich einmal durch die verschiedenen Kategorien und Produkte klicken. Da die meisten Hersteller eine internationale Kundschaft bedienen, wird man vermutlich auch Produkte finden, die man in Deutschland noch nie gesehen hat. Einige Hersteller haben auf ihren Alibaba-Seiten auch den Menüpunkt Neuheiten, unter welchem man die aktuellsten Modelle findet. 

3. Weitere Websites

Neben den drei bisher erwähnten Websites gibt es noch Unmengen an anderen Adressen, die man für die Produktrecherche hinzuziehen könnte. Besonders wenn man seine Produkte über den eigenen Online-Shop verkauft, kann sich die Recherche über mehrere Quellen lohnen. Die ersten Produkte sollten ähnlich wie bei Amazon keine zu hohe Nachfrage haben, da man mit kleineren Nischen schneller auf Google ranken wird. Wenn man sich bereits für ein grobes Thema entschieden hat, sollte man die anderen Shops in dem Bereich recherchieren und über Google-Tools wie KW-Finder das monatliche Suchvolumen für die jeweiligen Produkte herausfinden. So sieht man schnell, ob sich ein Produkt lohnt oder nicht. Weitere Produktideen findet man z.B. auf Instagram, Idealo, Otto, Pinterest, kleineren Shops, Hood, Ebay, Etsy oder im Einzelhandel. 

Nachdem man jedes Produkt auf die oben beschriebenen Merkmale untersucht hat, wird man am Ende ein Produkt haben, welches sich aus rationaler Sicht am besten für den Start eignet. Bevor es zum nächsten Schritt geht, prüft man das entsprechende Produkt am besten nochmal, um sicherzugehen, dass man nichts übersehen hat. Dazu kann folgende Checkliste verwendet werden: 

  • Es ist genug Nachfrage vorhanden.
  • Das Produkt ist nicht stark saisonal.
  • Es werden max. 5 Varianten benötigt. 
  • Der Verkaufspreis beträgt mind. 10 €.
  • Das notwendige Kapitel ist vorhanden.
  • Schwachstellen der Konkurrenz geprüft.

Tipp: Am Anfang ist es hilfreich, seine Marktrecherche einmal als Fließtext aufzuschreiben. Beim Schreiben werden die Gedanken klarer, da man sich nur auf eine Sache konzentrieren kann. In diesem Bericht wird jeder Punkt der Reihe nach abgearbeitet, sodass man am Ende einen fertigen Text vorliegen hat, den auch außenstehende verstehen würden. Später wird einem diese Fähigkeit helfen, wenn man z.B. Fremdkapital beantragt und der Bank eine ausführliche Marktrecherche in Textform vorlegen muss. 

Patentrecherche: Eine wichtige Absicherung

Bevor es endlich an die Herstellersuche und die Produktion geht, muss das ausgewählte Produkt noch zwei weitere Prüfungen durchlaufen. Die erste davon ist die Patentrecherche. Bei einem Patent handelt es sich um ein sogenanntes Schutzrecht, das technische Erfindungen vor Nachahmung schützt. Da die Produktrecherche von anderen Produkten ausgeht, kann es immer sein, dass für das ausgewählte Produkt bereits ein Patent angemeldet wurde. Ist das der Fall, darf man das Produkt nicht herstellen und verkaufen. Im Falle eines Verstoßes darf der Patentinhaber den Verkauf verbieten und Schadensersatz verlangen. Auf die Patentrecherche sollte man also nicht verzichten.

Patentrecherche

Was erstmal kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach und kostet nicht mehr als ein bis zwei Stunden Zeit. Auch für die Patentrecherche gibt es eine klare Vorgehensweise, mit der sich ein potenzieller Patent-Schutz zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen lässt. Trotzdem muss erwähnt werden, dass man hundertprozentige Gewissheit nur über einen Patent-Anwalt erhält. Da dieser für die Recherche bereits einen vierstelligen Betrag bekommt, ist der Weg über einen Anwalt meistens nicht möglich und auch nur in den seltensten Fällen sinnvoll. 

Ob ein Patent vorhanden ist oder nicht, lässt sich meist schon anhand der Amazon oder Google-Shopping Ergebnisse herauslesen. Dafür einfach das Hauptkeyword in die jeweilige Suchleiste eingeben und die vorhandenen Angebote überprüfen. Wenn es viele Verkäufer gibt, die mehr oder weniger dasselbe Produkt verkaufen und nirgends das Wort Patent oder Patentiert auftaucht, gibt es vermutlich kein Patent auf das entsprechende Produkt. Da es aber auch Seller geben kann, die das Produkt einfach ohne Erlaubnis verkaufen, ist es mit diesem Schritt noch nicht getan. Am besten notiert man sich bereits die Marken und Namen der Verkäufer, da man diese später nochmal benötigt. 

Als Nächstes prüft man große Marken und Shops mit ähnlichen Produkten. Da ein Patent ein ziemlich wichtiger USP ist und in den meisten Fällen auch für Marketingzwecke genutzt werden kann, erwähnen die meisten Shops oder Hersteller ihre angemeldeten Patente. Ist hier ebenfalls nichts zu finden, kann man sich noch ein bisschen sicherer sein. 

Da jedes Patent öffentlich zugänglich ist, sollte man im letzten Schritt noch eine Recherche auf den entsprechenden Datenbanken durchführen. Das geschieht über Google Patents  und die Recherche-Seite des DPMA (Deutsches Patent und Markenamt). Für diesen Schritt braucht man die vorher notierten Marken- und Verkäufernamen, da diese nun in das Suchfeld eingefügt werden. Gibt es keinerlei Ergebnisse, kann man ziemlich sicher sein, dass das ausgewählte Produkt nicht patentiert ist. Wenn es doch Ergebnisse gibt, sollte man das Patent genau prüfen, da es sich auch um ein anderes Produkt handeln kann, welches von der gesuchten Marke angemeldet wurde. 

Weitere Informationen zum Patent, wie man ein Patent anmeldet und welche zusätzlichen Schutzrechte geprüft werden können, wird in diesem Artikel ausführlich erklärt: Patent anmelden: Anleitung zur Patentrecherche

Zertifikatsrecherche: Konformität prüfen

Das Produkt hat die Patentrecherche bestanden? Sehr gut! Im nächsten Schritt wird überprüft, ob es ggf. Zertifikate gibt, die für den Import nach Deutschland erforderlich sind. Mit Zertifikaten lässt sich nachweisen, dass das importierte Produkt alle Anforderungen an die Produktsicherheit erfüllt und entsprechend auf dem deutschen Markt verkauft werden darf. Je nach Produktart gibt es unterschiedliche Zertifikate, die man unbedingt vorher herausfinden sollte. Die Anzahl an möglichen Zertifikaten ist aber sehr überschaubar, wenn man keine zu komplexen Produkte produzieren lassen möchte. Elektronik und Lebensmittel sind z.B. etwas komplexer und müssen viele Sicherheitsstandards erfüllen. 

Im ersten Schritt der Zertifikatsrecherche wird überprüft, ob das jeweilige Produkt die Voraussetzungen für eines der folgenden Zertifikate erfüllt: 

  • LFGB: Produkt in Berührung mit Lebensmitteln oder Schleimhäuten.
  • FSC: Das Produkt besteht aus Holz oder beinhaltet Teile aus Holz. 
  • REACH: Das Produkt beinhaltet in irgendeiner Weise Chemikalien. 
  • RoHS: Das Produkt beinhaltet elektronische Komponenten.
  • CE: Das Produkt muss gewisse Sicherheitsrichtlinien erfüllen. 

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird das Produkt die Voraussetzungen für min. ein Zertifikat erfüllen. In den meisten Fällen ist REACH unumgänglich, da fast jedes Produkt während der Produktion mit einer Chemikalie in Kontakt kommt. RoHS und CE findet eher Anwendung bei etwas komplexeren bzw. risikoreicheren Kategorien, wie z.B. Elektronik, Spielzeug, Medizinprodukte, Schutzausrüstung oder Sportgeräte. 

Wer sich noch nicht ganz sicher ist, kann bei größeren Konkurrenten ein Testprodukt bestellen und prüfen, ob sich auf der Verpackung oder dem Produkt selbst ein Zertifikat befindet. Sollte keins zu finden sein, am besten nochmal als vorsichtiger Kunde nachfragen, ob das Unternehmen irgendwelche Zertifizierungen vorweisen kann. Wenn das Unternehmen keine Zertifikate vorweisen kann, sollte man trotzdem vorsichtig sein und nochmal prüfen, ob das eigene Produkt nicht doch entsprechende Voraussetzungen erfüllt (ein REACH Zertifikat ist beispielsweise fast immer erforderlich). 

Eine detailliertere Auflistung mit genauen Produktbezeichnungen und dem dazugehörigen Zertifikat gibt es in diesem Artikel: Wichtige Zertifikate für Amazon FBA: Alles was man wissen muss!

Wie geht es weiter? Wenn man die erforderlichen Zertifikate herausgefunden hat, kann sich der Produktentwicklung widmen. Wichtig ist, dass ein Zertifikat an sich kein Ausschlusskriterium sein sollte. Über Labore in Deutschland oder China kann man seine Produkte für verhältnismäßig wenig Geld testen lassen und bekommt anschließend das Zertifikat zugeschickt. Braucht ein Produkt mehrere oder komplexere Zertifikate, kann es natürlich schnell teuer werden. Das sollte man sich im Vorfeld unbedingt bewusst machen, um später keine böse Überraschung zu erleben. Im Schnitt kosten Zertifikate einen mittleren bis hohen dreistelligen Betrag.

Eigenes Produkt entwickeln: USPs

USP steht für Unique Selling Proposition, also Alleinstellungsmerkmal. Um ein Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen, braucht man USPs, die einen von der Konkurrenz abheben. Die Entwicklung hochwertiger USPs ist entscheidend für den späteren Erfolg des Produktes. Was auf den ersten Blick nach einer kreativen Aufgabe aussieht, lässt sich genauso analytisch abarbeiten wie die vorherigen Schritte. Zunächst sucht man sich 1-3 seiner Top-Konkurrenten, je nachdem wo man verkauft, auf Amazon oder anderen Seiten und bestellt deren Produkt. Dieses wird anschließend ausführlich auf Nutzerfreundlichkeit, Mängel, Qualität, Material, Design und Handling geprüft. Die Ergebnisse werden am besten in einer Excel-Tabelle festgehalten. 

Im nächsten Schritt prüft man die Kundenbewertungen für ähnliche Produkte auf Amazon (.de und .com) und recherchiert nach Testberichten von Blogs oder YouTube-Kanälen. Das heißt, man sucht wirklich nach jedem Produkt, welches als Konkurrenz betrachtet werden kann und liest sich jede 1-4 Sternebewertung durch. Oft lohnt es sich auch, die 5-Sterne Bewertungen zu überfliegen, um herauszufinden, was Kunden an dem Produkt begeistert. Die gefundenen Kritikpunkte fügt man wieder in die Excel-Tabelle ein und macht einen Strich, wenn bestimmte Probleme häufiger auftreten. Am Ende hat man eine nach Wichtigkeit sortierte Liste mit allen Mängeln, die am eigenen Produkt verbessert werden können. Hier ein Beispiel für die Ergebnisse einer USP Recherche zu Taubenabwehr

Produkt entwickeln Kategorien

Für jeden aufgeschriebenen Mangel überlegt man sich nun eine Lösung und notiert diese in die entsprechende Spalte daneben. Wenn die Liste fertig bearbeitet ist, hat man den analytischen Teil der USP-Recherche geschafft. Auch wenn man jetzt schon theoretisch das beste Produkt hat, sollte man es nicht dabei belassen, sondern nach weiteren USPs suchen. Dafür ist es wichtig, absoluter Experte für das entsprechende Produkt zu werden. Das bedeutet, man arbeitet sich intensiv in den Markt und die Zielgruppe ein, liest Blogartikel, Foren und sammelt alles an Wissen, was es zum geplanten Produkt gibt. Anschließend überprüft man folgende Möglichkeiten, um weitere wichtige Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln: 

  • Funktionalität: Gehen mit der Nutzung des Produkts weitere Aufgaben einher, für die man weitere Zusatzprodukte braucht? Welche weiteren Funktionen könnte man in das Produkt integrieren? z.B. bei einer Knoblauchpresse wäre das z.B. die Reinigung der kleinen Löcher. 
  • Simplicity: Ist das Produkt unnötig kompliziert aufgebaut? Gibt es Erklärungsbedarf für die Nutzung und wie lässt sich das Produkt vereinfachen? Ein gutes Beispiel für die Umsetzung sind kleine Wandregale, die sich ohne Bohren anbringen lassen. 
  • Design: Spielt das Design überhaupt eine Rolle? Welche Farben und Materialien können das Produkt optisch aufwerten? Geht stark mit Simplicity einher. Je einfacher ein Produkt ist, desto schlichter das Design.
  • Verpackung: Welche Verpackung eignet sich für das Produkt und die Zielgruppe? Infrage kommen z.B. die Color Box (bedruckte Box aus Pappe), die Blister-Card (Hartplastik) oder der Poly-Bag (Plastikfolie). 
  • Bundles: Gibt es weitere Produkte, die für die Nutzung des eigenen Produkts vorteilhaft sein könnten oder zwingend zugekauft werden müssen? Bei einem Tesa-Abroller z.B. eine Rolle Tesafilm mitliefern. 
  • Listing: Tatsächlich ist auch ein optimiertes Listing (Produktbilder, Verkaufstexte etc.) ein guter USP. Je schlechter die Konkurrenz optimiert ist, desto leichter hat man es später im Markt. Für langfristigen Erfolg sind die USPs am Produkt wichtiger, da das einen größeren Vorteil verschafft. 

Tipp: Unabhängig davon, ob man eine Marke aufbauen will oder Cashflow-Produkte vertreibt, sollte man für sein Produkt eine Marke anmelden und ein Logo gestalten lassen. So kann man sich nicht nur vor Kopien schützen, sondern hat deutlich mehr Möglichkeiten, sein Produkt auf Amazon sichtbarer zu machen. Wie man eine Marke anmeldet, was die genauen Unterschiede zwischen Cashflow und Branding sind und wie man mit seiner Marke auf Amazon wächst, wird in diesem Artikel erklärt: Amazon FBA Marke aufbauen: Mehr Umsatz durch starkes Branding 

Bei der Suche nach guten USPs geht es hauptsächlich darum, welche Probleme der Kunde aktuell hat oder haben könnte und wie man möglichst alle diese Probleme eliminiert. Je mehr Probleme man löst, desto eher wird sich der Kunde für das eigene Produkt entscheiden. Jedes gelöste Problem gibt dem Kunden einen weiteren Grund zum Kaufen. Wer sich jetzt noch intensiver mit der Entwicklung von USPs beschäftigen möchte, findet in diesem Artikel alles Wichtige: USP finden: Mit diesen 8 Faktoren dominierst du den Markt!

Hersteller für das eigene Produkt finden

Nachdem man ein marktfähiges Produkt entwickelt hat, braucht man natürlich einen kompetenten Hersteller, der die gewünschten Anforderungen erfüllen kann. Diesen findet man in der Regel auf europäischen oder asiatischen B2B-Plattformen, wie z.B. WLW oder Alibaba. Bevor es mit der konkreten Suche nach Herstellern losgeht, noch eine kurze Information zu den Unterschieden zwischen China und Europa: 

China: Gegen Seiten wie Alibaba oder eine Produktion in China hört man oft Vorurteile, dass die Qualität schlecht ist und es sich bei den meisten Produkten um billige China-Ware handelt. Natürlich gibt es auf Alibaba Hersteller, die keine ausreichende Qualität liefern. Ähnliche Hersteller findet man aber genauso in Europa oder Deutschland. Alibaba ist der weltweit größte B2B-Marktplatz und fast jeder Hersteller hat dort eine Präsenz. Es gibt wirklich fast kein Produkt, welches man nicht in jeder beliebigen Qualitätsstufe auf Alibaba findet. 

Die Herstellung in China hat für Anfänger einige Vorteile: Etwa starten die Mindestbestellmengen oft ab 500 Stück inkl. individuellen Änderungen, Logo und Verpackung. Der Erstkontakt ist super unkompliziert und auch die weitere Kommunikation findet auf sehr persönlicher Ebene statt. Man spricht sich in der Regel mit Vornamen an und bekommt einen Mitarbeiter zugeteilt, der sich in den meisten Fällen wirklich gut um alle Anliegen kümmert. 

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile, die vor allem durch die Distanz entstehen. Von der Produktion bis zur Ankunft in Deutschland vergehen häufig zwischen 40 und 60 Tage. Das wirkt sich natürlich negativ auf den Cashflow aus, weshalb eine exakte Liquiditätsplanung sehr wichtig ist. Zusätzlich sind die Transportkosten ziemlich variabel und können steigen oder sinken. 

Deutschland & Europa

Made in Germany hat sowohl hier, als auch im Ausland einen sehr guten Ruf und kann ein USP sein, dessen Stärke man jedoch nicht überschätzen sollte. Mit einer Produktion in Deutschland gehen in den meisten Fällen höhere Kosten für den Einkauf und größere Mindestbestellmengen einher, was sich entsprechend auf den Verkaufspreis auswirkt. Das wichtigste sind immer noch das Produkt, der Preis und die Bewertungen. Stimmen diese Faktoren nicht, hilft Made in Germany auch nicht weiter. 

Die Herstellersuche in Deutschland und Europa ist etwas schwieriger, da die meisten Produzenten nur an großen Aufträgen interessiert sind. Umso wichtiger ist es, beim Erstkontakt sich als ein seriöses Unternehmen zu präsentieren. Das bedeutet, man hat bereits eine Website, eine E-Mail Signatur und eine seriöse E-Mail-Adresse. Wenn man jedoch einen guten Kontakt gefunden hat, der das Produkt zu einem akzeptablen Preis produzieren kann, hat man einige Vorteile. Durch die kurze Distanz kommt man viel schneller an Produkte, kann seinen Cashflow erhöhen und sofort reagieren, wenn sich die Produkte besser verkaufen als geplant.

Herstellersuche über Alibaba

Neben Alibaba gibt es noch diverse weitere Plattformen, auf denen man Hersteller finden kann. Viele dieser Hersteller haben aber ebenfalls ein Listing auf Alibaba, da es sich um den größten Marktplatz handelt. In den meisten Fällen ist die Recherche auf Alibaba also völlig ausreichend. Bevor es losgeht, braucht man einen Account bei Alibaba und erstellt sich am besten eine Excel-Tabelle, um später nicht den Überblick zu verlieren. Bei 10-30 kontaktierten Herstellern kann das nämlich schnell passieren. 

Zunächst geht es darum, erstmal breit nach seinem Produkt auf Alibaba zu suchen. Das heißt, man gibt sein Hauptkeyword in die Suchleiste ein und speichert sich alle ähnlichen Produkte als Favorit oder öffnet diese in einem neuen Tab. Nicht vergessen: Alibaba ist kein Amazon. Die Produktbilder geben nur einen ersten Eindruck und zeigen, in welcher Kategorie der Hersteller produziert. Wenn man also nach Knoblauchpressen sucht und die angezeigte Knoblauchpresse entspricht nicht den eigenen Vorstellungen, dann sollte man den Hersteller unbedingt trotzdem kontaktieren. 

Auch Preise, Mindestbestellmengen, Siegel oder Auszeichnungen spielen keine Rolle, wenn es um den Erstkontakt mit Herstellern geht. Man bekommt immer ein individuelles Angebot, sobald der Hersteller die persönlichen Anforderungen kennt. Nachdem man mindestens 20 Produkte von verschiedenen Herstellern gespeichert hat, geht es an die Kontaktaufnahme. Hierfür sollte man sich eine Vorlage erstellen, die Informationen zum Unternehmen (Vision und Ziele) und ein paar Fragen enthält. Diese formuliert man am besten so, als wäre man bereits ein größeres Unternehmen und ein lukrativer Geschäftspartner. Es folgen ein paar weitere Tipps für einen erfolgreichen Erstkontakt: 

  • Man stellt sich als Sourcing-Manager des Unternehmens XY vor. 
  • Man plant eine neue Produktlinie in der Kategorie XY in Deutschland. 
  • Man erwähnt, dass man Marktführer in Deutschland werden will. 

Damit man einen professionellen Eindruck macht, stellt man direkt ein paar Fragen zum Produkt und dem Unternehmen. Das könnten z.B. folgende sein: 

  • Seit wann produziert ihr Produkt XY? Was ist euer Spezialgebiet? 
  • Wie hoch ist der FOB Preis bei 1.000 Stück inkl. Logo-Branding? 
  • Was ist die schönste Verpackung, die ihr dafür anbieten könnt? 
  • Haben die entsprechenden Produkte ein gültiges XY Zertifikat? 

Nachdem man die englische Vorlage erstellt hat, schickt man diese den ausgewählten Unternehmen über den Kontakt-Button auf der Alibaba-Herstellerseite oder dem Listing. Den Link zu jeder Unternehmensseite speichert man in der Excel-Tabelle unter der Spalte Unternehmen ab. Weitere Spalten der Tabelle sind: 

  • Kontakt: Name des Ansprechpartners. 
  • Kommunikation: Noten-Bewertung 1-6. 
  • Briefing gesendet: Kästchen abhaken. 
  • Samples angefragt: Kästchen abhaken.
  • Jeder USP bekommt eine Spalte: Abhaken. 
  • Notwendige Zertifikate: Kästchen abhaken.
  • Preis: welcher Preis bei 1.000 Stück. 
  • Versand: FOB oder EXW (Infos später).
  • Stand: aktueller Stand der Kommunikation.

Wie so eine Tabelle aussehen könnte, verdeutlicht folgendes Beispiel. So sieht man auf einen Blick, welcher Hersteller die meisten Anforderungen erfüllen kann, wie die aktuelle Entwicklung ist und welche Hersteller ausscheiden: 

Die Tabelle lässt sich wie eine To-do-Liste anwenden, da jede Spalte eine eigene Aufgabe ist. Nachdem man alle Hersteller kontaktiert und 1-3 Mal hin und her geschrieben hat, kann man die ersten Samples anfragen. Bei Samples handelt es sich um Beispielprodukte, die man vor einer Großproduktion von den Herstellern zum Testen bekommt. Ein Sample kostet meistens zwischen 20 und 50 USD, wird einem aber oft bei der Großbestellung erstattet. Bei etwa zwanzig kontaktierten Herstellern, wird man vermutlich 5-10 gefunden haben, die für ein Sample infrage kommen. Um die Kosten erstmal gering zu halten, lässt man sich auf die Samples noch keine Logos drucken oder verändert etwas am Produkt. Es geht zunächst nur um die Überprüfung der Qualität. 

Der Versand von China nach Deutschland ist natürlich nicht billig, weshalb man mit einem Konsolidierungsservice wie TipTrans arbeiten sollte. TipTrans ist ein Unternehmen mit mehreren Standorten u.a. auch in China, welches die Samples für einen sammelt und in einer Sendung z.B. nach Deutschland verschickt. Auf diesen Weg ´ können hohe Versandkosten gespart werden. Die Abwicklung ist wirklich super einfach: Man meldet sich auf der Seite an, erhält eine persönliche Adresse und kann diese seinem Hersteller schicken. Erst wenn man Produkte bündeln und nach Deutschland verschicken lässt, entstehen Kosten. 

Die bestellten Samples werden nach Ankunft ausführlich auf ihre Qualität untersucht. Hierfür sollte man sich wirklich in den Kunden hineinversetzen und jeden Mangel notieren. Darüber hinaus kann man mit den Samples auch mehrere Härtetests durchführen, indem man sie z.B. biegt, auseinanderbaut, herunterfallen lässt oder überstrapaziert. Da man aufgrund der Samples den Hersteller auswählt, ist jede Kleinigkeit wichtig. Am Ende sollten 1-3 Samples übrig bleiben, mit deren Herstellern es nun an die finale Ausarbeitung geht. 

Das bedeutet, man erstellt ein detailliertes Produktbriefing mit allen wichtigen Details zur Verpackung, den USPs und den Zertifikaten und schickt es dem Hersteller. Dieser wird einen Preis vorschlagen oder Rückfragen stellen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Verhandlung, die sich nicht nur um den Preis, sondern auch Mindestbestellmengen, Produktionszeit oder andere Punkte drehen kann. Wer sich bereits an diesem Punkt befindet, sollte unbedingt bei folgendem Artikel vorbeischauen: Mit Supplier verhandeln – Strategien und Hebel für bessere Ergebnisse

Zu diesem Zeitpunkt sollte auch klar sein, wie man sein Produkt verpacken lassen möchte. Wichtig ist, dass man seine Adresse, eine EAN oder FNSKU Nummer sowie das Logo und die entsprechenden Zertifikate sichtbar auf der Verpackung platziert. Eine Color-Box wird in den meisten Fällen flächendeckend gestaltet, während man bei Plastikverpackungen Sticker mit den Pflichtangaben anbringt. Welche wichtigen Punkte es bezüglich der Verpackungen noch gibt, wird in diesem Artikel erklärt: Eigene Amazon FBA Verpackung: Alles zu Richtlinien, Lizenzen & Design

Hat man sich mit dem Hersteller auf einen Preis geeinigt, ist es sinnvoll, nach der Produktkalkulation noch ein golden Sample zu bestellen. Hierbei handelt es sich um ein Sample des finalen Produkts. So geht man nochmal auf Nummer sicher, dass der Hersteller die Änderungen auch wirklich umsetzen kann, ohne dass die Qualität darunter leidet. Die Kosten liegen zwar etwas höher (50 – 150 USD), sind die Sicherheit aber definitiv Wert. 

Wichtig: Kann der Hersteller die erforderlichen Zertifikate nicht vorlegen, muss das Produkt noch bei einem Prüflabor getestet werden. Falls entsprechende Zertifikate vorhanden sind, sollte man diese auf ihre Gültigkeit prüfen. Wie das geht, wird im Artikel zu den Zertifikaten erklärt.  

Wird die Bestellung aufgegeben, zahlt man in der Regel 50 % der Bestellung im Voraus. Die anderen 50 % werden fällig, wenn das Produkt fertig produziert wurde und die Qualitätskontrolle bestanden hat. Die Qualitätskontrolle wird von einem Dienstleister noch vor Ort durchgeführt, damit man eventuelle Mängel schnell beheben kann. Damit die Ergebnisse dieser Kontrolle auch an etwas gemessen werden können, müssen die Anforderungen vorher schriftlich formuliert und von beiden Parteien bestätigt werden. Dieses Dokument wird auch PO (Purchase Order bzw. Auftragsbestätigung) genannt.  

Die Bezahlung kann direkt über die Alibaba Trade Assurance abgewickelt werden. Das ist eine sichere Zahlungsmöglichkeit, die einen vor Betrug oder Vertragsbruch schützt. Setzt der Hersteller die vertraglich vereinbarten Anforderungen nicht um, bekommt er sein Geld nicht ausgezahlt. Als offizieller Beweis dient der Testbericht von der Qualitätskontrolle, weshalb man diese unbedingt durchführen sollte.

Import nach Deutschland 

Weiter oben wurden ja bereits die Abkürzungen FOB und EXW genannt. Hierbei handelt es sich um die üblichen Incoterms für den Versand nach Deutschland. Da man Lieferungen in diesem Umfang nicht über Versanddienstleister wie DHL oder UPS abwickelt, sondern mit einem Logistiker, der sich auf den Transport spezialisiert hat, braucht es die sogenannten Incoterms. Diese regeln klar, wer während der Lieferung nach Deutschland für die Ware verantwortlich ist. Bei EXW ist man für den gesamten Lieferprozess zuständig. Das heißt, der Hersteller produziert und man selbst muss sich um die Abholung kümmern. 

Bei FOB liefert der Hersteller die Waren noch bis zum Hafen, wo sie dem eigenen Logistiker übergeben werden. Entsprechend sind die Einkaufspreise bei EXW etwas günstiger und der Logistiker etwas teurer, während es bei FOB genau andersherum ist. Meistens ist es einfachsten, einen fairen FOB-Preis mit seinem Hersteller zu verhandeln. 

Ist das geregelt, bereitet der Hersteller die Ware für den Versand vor und schickt einem die entsprechenden Daten (Kartons, Maße und Gewicht). Diese gibt man direkt an einen Logistiker weiter und bekommt ein paar Tage später ein entsprechendes Angebot. Bei dem folgenden Beispiel handelt es sich um ein Angebot von UNICON, einem sehr erfahrenen und zuverlässigen Logistiker in diesem Bereich: 

Sobald die Ware unterwegs ist, braucht der Logistiker noch ein paar wichtige Angaben. Dazu gehören die Zolltarifnummer, die EORI-Nr, die Umsatzsteuer ID, eine Packing List und die Rechnung. Die Zolltarifnummer oder auch HS-Code genannt ist eine Warenkennzeichnung, mit welcher der Zoll direkt den richtigen Zollsatz festmachen kann. Diese findet man unter Zolltarifnummern.de oder indem man der gewerblichen Zollauskunft schreibt. Die E-Mail-Adresse lautet: info.gewerblich@zoll.de

Bei der EORI-Nr. handelt es sich ebenfalls um eine Kennzeichnung, die einen als gewerblichen Importeur identifiziert. Wie man diese beantragt, wird im Artikel zu den vier ersten Schritten bei Amazon FBA erklärt. Die Umsatzsteuer ID ist erforderlich, da man für Importe aus dem Drittland 19 % Einfuhrumsatzsteuer zahlen muss. Den Betrag bekommt man aber später zurückerstattet. Packing List und Rechnung erhält man direkt vom Hersteller. Sind die Punkte abgehakt, steht dem erfolgreichen Launch des Produktes nichts mehr im Weg. Während das Produkt unterwegs ist, kann man bereits sein Amazon-Listing oder den Online-Shop erstellen, sodass es nach Ankunft direkt losgehen kann. 

Fazit – Eigenes Produkt entwickeln

Ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen erfordert zunächst viel Arbeit und ist mit vielen verschiedenen Aufgabenbereichen verbunden. Eigene physische Produkte im E-Commerce zu verkaufen ist kein Geschäftsmodell, welches man in wenigen Tagen oder Wochen auf die Beine stellt. Vielmehr handelt es sich um den Aufbau eines langfristigen und bodenständigen Unternehmens, welches später auch an Investoren verkauft werden kann. 

Das erste Mal ein Produkt zu entwickeln, wird den meisten wahrscheinlich unglaublich mühsam vorkommen. Das liegt meistens daran, dass man sich an bestimmten Aufgaben aufhängt, weil man es ja immer noch ein bisschen besser machen könnte. Um wirklich voranzukommen, sollte man die Balance zwischen Perfektionismus und Umsetzung finden und sich vertrauen, dass man gute Arbeit leistet. Es ist kein Hexenwerk, sondern ein analytisches Abarbeiten der einzelnen Schritte, welches man spätesten ab dem dritten Produkt aus dem Effeff beherrscht. 

Bevor man sich an die Produktentwicklung macht, sollte man wissen, auf welchem Vertriebskanal man seine Produkte später verkaufen möchte. Die drei wohl bekanntesten Optionen sind Amazon, Ebay und der eigene Online-Shop. Welchen Vertriebsweg man wählen sollte, lässt sich sehr einfach beantworten, wenn man sich die eigene Situation kurz vor Augen führt. Der passende Vertriebsweg hängt nämlich stark von den eigenen Zielen, den finanziellen Mitteln und der Art des Unternehmens ab: 

Ebay: Dieser Marktplatz eignet sich nicht für die in diesem Artikel beschrieben Methode zur Produktentwicklung. Der Aufwand wäre im Verhältnis zu den Ergebnissen viel zu hoch. Ebay eignet sich sehr gut für das Resellling, also den Ankauf und Verkauf von Handelsware und gebrauchten Artikeln. Wer noch kein Startkapital hat, kann mit Ebay und Reselling ideal in den E-Commerce starten und sich entweder einen großen Shop aufbauen, oder das Startkapital für eigene Produkte ansparen. 

Online-Shop: Sein eigener Herr sein, keine Gebühren zahlen und sich gestalterisch ausleben? Das geht mit einem Online-Shop. Was erstmal sehr attraktiv klingt, ist für Anfänger im E-Commerce definitiv nicht die beste Option. Ein Online-Shop braucht ein Sortiment oder ein innovatives Produkt, welches zumindest ein paar Varianten bietet. Das erfordert viel Startkapital. Wer zudem noch keine Erfahrungen in SEO und SEA hat, wird sehr viel Zeit und Geld investieren müssen, um sich das nötige Wissen anzueignen. 

Amazon: Der bekannteste Marktplatz der Welt ist die sicherste und lukrativste Vertriebsmöglichkeit, um mit einem einzigen Produkt, in kurzer Zeit hohe Umsätze zu generieren. Der riesige Vorteil gegenüber den ersten beiden Möglichkeiten ist, dass die Kunden nicht bei einem selbst, sondern bei Amazon bestellen und man ab Tag 1 volles Kundenvertrauen genießt. Über das Amazon FBA Programm kann man seine Produkte direkt bei Amazon lagern und per Prime verschicken lassen. Damit ist Amazon FBA die einzige Option, die ein ortsunabhängiges Business mit physischen Produkten ermöglicht. 

Ganz egal, was man sich vornimmt oder über welchen Marktplatz man verkaufen möchte, das wichtigste ist, in die Umsetzung zu kommen. Über den Vertrieb, das Marketing, Buchhaltung oder Zertifikate muss man sich noch keine ausführlichen Gedanken machen, wenn noch kein Gewerbe angemeldet ist. Schritt-für-Schritt vorzugehen, spielt bei der Gründung eines Unternehmens eine große Rolle. 

Also –  was sind die nächsten drei Schritte und was kann jetzt dafür getan werden? Wenn noch kein Gewerbe angemeldet wurde, sind es ein Termin beim Gewerbeamt und dem Finanzamt zu vereinbaren, ein Geschäftskonto zu eröffnen und die EORI-Nr. zu beantragen. Wie das geht? In diesem Artikel werden alle Schritte 1:1 nachvollziehbar erklärt: Amazon FBA Anleitung: Die ersten Schritte für deinen Start!


FAQ – Häufig gestellte Fragen


Wie entwickelt man ein Produkt?

Produktentwicklung ist eine Abfolge klarer analytischer Arbeitsschritte, beginnend bei der Produktrecherche. Nachdem Angebot, Nachfrage und Konkurrenz überprüft wurden, können anhand der vorhandenen Rezensionen und Produkttests marktfähige USPs entwickelt werden, die man anschließend von einem Hersteller umsetzen lässt. Nach der Produktion werden die Waren importiert und über Marktplätze wie Amazon oder einen eigenen Shop verkauft.   

Worauf kommt es bei einem neuen Produkt an? (USPs)

Das Wichtigste bei einem neuen Produkt sind USPs, also Alleinstellungsmerkmale, die direkt das Produkt betreffen. Dazu gehören z.B. weitere Funktionen, ein größerer Lieferumfang, besseres Material oder ein hochwertiges Design. Nur wer das Produkt direkt verändert, wird sich langfristig im Markt positionieren. Allein auf besseres Marketing, einen günstigeren Preis oder Made-in-Germany zu setzen, ist deutlich riskanter. 

Wie vertreibt man ein neues Produkt?

Auch wenn es unzählige Vertriebswege im E-Commerce gibt, sticht einer am meisten heraus – Amazon. Über das FBA-Programm können die Produkte direkt bei Amazon eingelagert und per Prime verschickt werden, was ein ortsunabhängiges Business ermöglicht. Weitere Optionen für den Verkauf sind ein eigener Online-Shop oder Ebay.