Industrystock: Ein Leitfaden zur Lieferantensuche

Die Herstellersuche ist dank Plattformen wie Industrystock relativ unkompliziert. Welche Vor- und Nachteile Industrystock hat, wie man bei der Suche vorgeht und welche Alternativen es gibt, wird hier erklärt.
Industrystock
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Lesezeit 12 Minuten

Ein wichtiger Schritt in jedem E-Commerce Business mit physischen Produkten ist die Suche nach einem geeigneten Hersteller bzw. Lieferanten. Denn das Ergebnis entscheidet nicht nur über die Produktqualität, sondern beeinflusst auch die Finanzen (Cashflow & Liquidität) eines Unternehmens. Besonders beim ersten Produkt ist ein zuverlässiger Partner ein wichtiger Faktor für einen erfolgreichen Einstieg.

Aber wie findet man so einen Partner? Es gibt gefühlt hunderte Marktplätze und B2B-Netzwerke, auf denen man nach Herstellern suchen kann. Das kann einen zum Start natürlich überfordern und man weiß gar nicht, wo man mit der Suche anfangen soll. Das gute ist, meistens reicht die Recherche auf 1-3 Marktplätzen, um einen geeigneten Hersteller zu finden. Dafür sollte man sich erstmal alle verschiedenen Marktplätze einmal kurz anschauen und dann entscheiden, ob man sie für die Herstellersuche verwendet oder nicht. 

In diesem Artikel wird es hauptsächlich um die Seite IndustyStock gehen und ob man darüber einen geeigneten Hersteller für seine E-Commerce-Produkte, z.B. für Dropshipping oder Amazon FBA finden kann. Dabei wird nicht nur auf die verschiedenen Funktionen der Seite eingegangen, sondern anhand eines konkreten Produktbeispiels getestet, ob sich IndustryStock für die Recherche nach physischen Produkten eignet. 

Zum Schluss gibt es noch allgemeine Hinweise zum Thema Herstellersuche im E-Commerce, die man sich als Anfänger unbedingt durchlesen sollte. Es werden z.B. die entscheidenden Unterschiede zwischen EXW und FOB besprochen, was beim Import aus China zu beachten ist und welche weiteren Marktplätze sich am besten für die Herstellersuche eignen. 

Hersteller auf Industrystock finden – Anleitung

Wie der Name schon vermuten lässt, richtet sich der Marktlatz primär an die Zielgruppe Industrieunternehmen. Das bedeutet aber nicht, dass man als kleinerer E-Commerce Unternehmer keine geeigneten Partner finden kann. Nach eigenen Angaben enthält das B2B-Netzwerk um die 4,30 Millionen Produkte von fast 500.000 Unternehmen aus 183 Ländern. Klingt also erstmal nach einem breiten Angebot. 

Für Einkäufer sind erstmal nur die Verzeichnisse bzw. die Produktsuche relevant. Wer sich selbst auf dem B2B-Markt positionieren will, hat Zugriff auf deutlich mehr Funktionen wie Newsletter-Tools, ein Content-Management-System, SEO Dienstleistern oder ein Netzwerk aus Übersetzern, Universitäten und Sales Agents. Für große oder mittelständische Unternehmen in der Industriebranche also definitiv eine gute Möglichkeit, um sich zu digitalisieren, gezieltes Marketing zu schalten und Kunden auf der ganzen Welt zu erreichen. Als Einkäufer für den B2C-Bereich braucht man diese Funktionen aber nicht. 

Industrystock Hersteller finden

Wie findet man also geeignete Hersteller für sein E-Commerce-Business? Industrystock selbst funktioniert wie eine Suchmaschine. Auf der Startseite befindet sich also direkt eine Suchleiste, auf der man nach Produkten oder Unternehmen suchen kann. Es gibt zwar noch weitere Kategorien, wie Pressemitteilungen oder Universitäten, diese sind aber erstmal nicht weiter relevant. 

Eine zweite Möglichkeit, um geeignete Partner zu finden sind die Verzeichnisse. Über das Menü kommt man zu den Optionen Marktplatz und Produkte A-Z. Im Prinzip handelt es sich hierbei nur um die Datenbank, auf welche Industrystocks Suchmaschine ohnehin zugreift. Wer also schon konkret weiß, was er launchen möchte, kann es sich mit der Suchleiste etwas einfacher machen. Wenn man dagegen nach weiteren Produktideen oder USPs sucht, ist die Datenbank gut für die Recherche geeignet. 

Herstellersuche – Erfahrungen mit Industrystock

Für folgendes Beispiel wird eine Herstellersuche für Küchenmesser, Fitnessmatten und einem Schraubenzieher-Set durchgeführt. Produkte, die im klassischen B2C-Handel häufig gekauft werden und bezüglich Herstellung, Verpackung und Logistik keine besonderen Anforderungen benötigen. 

1. Küchenmesser: Die Suche wurde zunächst über den Filter Firmen gestartet und hat zu 51 Ergebnissen aus Deutschland, Polen, Schweiz und Österreich geführt. Auf der linken Seite lassen sich die Ergebnisse nochmal nach Regionen (z.B. Bundesländern) filtern. Die 51 Unternehmen setzen sich zusammen aus 38 Händlern, 17 Herstellern, 7 Zulieferern und 5 Dienstleistern. Wer sein Produkt individuell gestalten will, sollte sich jetzt die 17 Hersteller genauer anschauen. 

  • Hersteller: Insgesamt 16 der 17 Hersteller kommen aus Deutschland. Vor der Recherche sollte man sich also über die Vor- und Nachteile von deutschen Händlern informieren. Mehr dazu am Ende des Artikels. Über das Firmenprofil erhält man eine Übersicht des Lieferprogramms und eine kurze Beschreibung des Unternehmens. Zusätzlich kann man eine Anfrage senden, die Website besuchen oder direkt anrufen. 
  • Händler: Wer keine sehr individuellen Produktwünsche hat, sondern Reselling, ein Private Label oder Dropshipping Business betreibt, findet im Händlerbereich viele interessante Angebote. Für Küchenmesser wurde auch direkt ein deutscher Großhändler gefunden, der nicht nur bekannte Markenprodukte vertreibt, sondern auch Private Labeling anbietet. 

Die Produktsuche ist mit 14 Ergebnissen von nur drei Unternehmen weniger ergiebig ausgefallen. Das ist aber nicht untypisch für B2B-Plattformen, bei denen sich viele Unternehmen einfach nur ein Profil einrichten, anstatt jedes Produkt einzeln zu präsentieren. Das ist natürlich ein kleiner Nachteil, da man mehr Klicks benötigt, um eine Produktübersicht zu erhalten. Auch bei den Produktergebnissen erhält man die Preise in den meisten Fällen auf Anfrage. 

Herstellersuche auf Industrystock

2. Fitnessmatte: Die Suche nach dem Keyword Fitnessmatte liefert leider keine Ergebnisse. Alternativ wird man aber auf den Begriff Yogamatte weitergeleitet, zu dem es immerhin 13 Ergebnisse gibt. Wie beim ersten Beispiel sind die vorhandenen Firmen hauptsächlich aus Deutschland. Nur zwei Unternehmen kommen aus einem anderen Land, nämlich China und Indien. Speziell die Gewichtung zwischen Händlern und Herstellern ist mit nur zwei Herstellern wieder sehr einseitig. 

  • Hersteller: Beide Firmen kommen aus Deutschland. Bei einem der Ergebnisse handelt es sich interessanterweise um einen B2C-Shop, während das andere Unternehmen auf die Produktion von Outdoor-Artikeln (inkl. Yogamatten) spezialisiert ist. 
  • Händler: Die meisten Ergebnisse hatten nicht wirklich etwas mit dem Thema Yoga-Produkte zu tun, sondern Gesundheit und Praxisbedarf. Das zeigt, dass Industrystock eher auf Geschäftskunden mit größerem Auftragsvolumen abzielt, wo es nicht um den Handel mit einzelnen Produkten, sondern individuellen Industrie-Lösungen geht. 

3. Schraubenzieher-Set: Zu diesem Keyword findet man keine Ergebnisse. Auch die Suche nach Schraubenzieher bleibt erfolglos. Zum vorgeschlagenen Alternativbegriff Schraubendreher bekommt man aber 351 Ergebnisse aus 11 Ländern. Wie bei den anderen Beispielen nimmt Deutschland mit 279 Firmen den größten Teil ein. Dafür findet man über die Produktsuche insgesamt 133 Angebote, was für eine deutsche B2B-Seite schon sehr viel ist. Hier könnte es sich also lohnen, die verschiedenen Angebote einmal zu vergleichen. 

Besonders interessant an den Ergebnissen sind die europäischen Anbieter aus Spanien oder Italien. Der Standort im EU-Ausland hat den Vorteil, dass der Versand nicht so teuer und zeitintensiv wie aus China ist, und die Einkaufspreise oft günstiger als in Deutschland sind. Findet man einen geeigneten Hersteller in der EU, hat man einige Vorteile. Trotzdem sollte man wegen des Standortes nie Einbußen bei den USPs und der Produktqualität machen. Ein schlechtes Produkt verursacht teure Retouren und geht langfristig im Markt unter. 

Fazit zur Herstellersuche 

Auch wenn sich Industrystock als internationale Plattform ausgibt, sind die Ergebnisse sehr Deutschlandlastig. Das liegt zum großen Teil daran, dass Industrystock von einem deutschen Unternehmen betrieben wird, sich auf Industrie spezialisiert und Deutschland zu den wichtigsten 8 Industrieländern weltweit gehört. 

Für E-Commerce-Händler im kleineren Stil ist diese Orientierung eher nicht geeignet. Bei der Herstellersuche für physische Produkte macht man es sich also etwas schwerer, als es eigentlich sein muss. Die Produkte werden häufig nicht angezeigt und viele Angebote richten sich ausschließlich an große B2B-Kunden. 

Das merkt man auch in der Ergebnissuche. Je industrieller ein Begriff ist, desto mehr Ergebnisse gibt es. Küchenmesser werden z.B. in Gastronomien oder in Lebensmittelbetrieben benötigt (51 Ergebnisse), Yoga-Matten fast nirgends (13 Ergebnisse) und Schraubenzieher so gut wie in jedem Produktionsbetrieb (351 Ergebnisse).  

Ganz ungeeignet für die Herstellersuche ist Industrystock aber nicht. Wer z.B. einen Hersteller in Europa oder Deutschland finden möchte, sollte auf jeden Fall einmal die Ergebnisse zu seinem Suchbegriff überprüfen. Da es meistens nicht viele davon gibt, ist dieser Schritt auch schnell erledigt. 

Wer gerade sein erstes Produkt auf den Markt bringt, keine Internetpräsenz und wenig Startkapital für Waren hat, wird wahrscheinlich eher auf asiatischen Seiten fündig. Der Kontakt ist hier deutlich offener, es gibt viel mehr Angebote und individuelle Änderungen lassen sich schon ab kleineren Bestellmengen umsetzen.

Allgemeine Hinweise & Tipps zur Herstellersuche 

Bevor man sich auf die Suche nach einem geeigneten Hersteller macht, muss man wissen, welche Faktoren einen guten Hersteller ausmachen und wie ein Vertragsabschluss im B2B-Geschäft abläuft. Dieser unterscheidet sich nämlich stark vom Einkauf auf B2C-Marktplätzen. In diesem Kapitel werden kurz und bündig die wichtigsten Faktoren von der Recherche bis zur finalen Auftragsabwicklung erklärt: 

1. Asien, Europa oder Deutschland? 

Viele schrecken erstmal zurück, wenn es darum geht, ein Produkt von einem chinesischen Hersteller produzieren zu lassen. Denn es gibt noch immer viele Vorurteile gegenüber Qualität, Zuverlässigkeit und logistischem Aufwand. Dass die Kommunikation, die Herstellung von individuellen Anforderungen und die Mindestbestellmenge für Einsteiger oft attraktiver ist, wissen die wenigsten. 

Vor- und Nachteile einer Produktion in Asien: 

  • Einfache Kommunikation
  • Riesige Produktauswahl  
  • Geringe Mindestbestellmenge 
  • Änderungen leicht umsetzbar 

Die Zusammenarbeit mit einem asiatischen Hersteller erfordert einen etwas höheren logistischen Aufwand, ist aber meistens trotzdem günstiger, als wenn man das Produkt in Deutschland oder Europa sourct. Wichtig ist, dass man die längeren Produktions- und Lieferzeiten vorausplant, um nicht OOS zu gehen. 

Der Vorteil an deutschen und europäischen Herstellern ist die kurze Distanz. Lieferungen können deutlich schneller versendet werden und verursachen keine Verzögerungen beim Zoll, wodurch man in seiner Warenbeschaffung etwas flexibler ist und sein Kapital für einen deutlich kürzeren Zeitraum an noch nicht verkäufliche Ware binden muss. 

Umso schwieriger ist es am Anfang, einen geeigneten Hersteller zu finden, denn die Einkaufspreise sind im Verhältnis zu den Mengen oft deutlich höher. Viele EU-Unternehmen sind auch gar nicht interessiert an kleinen Auftragsvolumen, wodurch der Recherche-Prozess etwas in die Länge gezogen wird. In vielen Fällen ist Anrufen hier das beste Mittel, um schnell Auskunft zu erhalten. 

Vor- und Nachteile einer Produktion in Europa: 

  • Kurze Lieferstrecken 
  • Weniger Bürokratie
  • Keine Zollkosten
  • Hohe Mindestbestellmengen 
  • Hohe Einkaufspreise 
  • Schwieriger Erstkontakt

2. Qualität & Samples 

Ganz egal, welche Vorteile ein Hersteller alles hat. Wenn die Qualität nicht stimmt, sollte man sich einen anderen Produzenten suchen. Die Produktqualität hat entscheidende Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens. Denn wenn herauskommt, dass ein Produkt besser als ein anderes ist oder andere Nachteile hat, macht sich das in den Bewertungen und im Umsatz bemerkbar. 

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 vertrauen 34,5 % der Befragten auf den Inhalt von Amazon-Rezensionen und lassen dadurch ihre Kaufentscheidung beeinflussen. 42,3 % gaben an, dass sie den Inhalten zwar nicht unbedingt vertrauen, aber schonmal einen ersten Eindruck des Produktes gewinnen. Daraus lässt sich schließen, dass ein schlechter Bewertungsschnitt definitiv dazu führt, langfristig in einer Nische unterzugehen oder schlimmstenfalls ganz auf der Ware sitzen zu bleiben. 

Damit man dieses Risiko nicht eingeht, bestellt man vor jeder Großbestellung mindestens ein Sample pro Hersteller. Dabei handelt es sich um ein einfaches Beispielprodukt, welches einem viele Hersteller sogar kostenlos zukommen lassen. Für das Sample eines Herstellers sollte man noch keine Änderungen verlangen, da diese meistens Geld kosten. Hier reicht es, sich erstmal ein Basisprodukt zukommen zu lassen, um Qualität und Verarbeitung ganz genau zu überprüfen. Aus den verschiedenen Samples sucht man sich dann 2-5 Favoriten und lässt sich von den jeweiligen Herstellern nochmal ein Golden-Sample inkl. aller individuellen Anforderungen produzieren. So ein Sample kostet meistens zwischen 20 und 100 €. 

Tipp: Damit man bei Samples aus China nicht jedes Mal den Versand nach Deutschland zahlen muss, gibt es sogenannte Konsolidierungsservices, die einem ein Zwischenlager für Samples in China bereitstellen. Sobald alle Pakete angekommen sind, werden die Samples in ein Paket gepackt und als Ganzes verschickt. Einer der besten Anbieter in diesem Bereich ist Tiptrans. 

TipTrans

3. Zahlungsvereinbarung

Im B2B-Bereich zahlt man bei größeren Summen oft in zwei Raten. So sichert man sich zum einen ab und hat gleichzeitig einen höheren Cashflow. Wenn man Produkte aus China bestellt, sollte man das unbedingt so machen und nicht die gesamte Summe im Voraus bezahlen. Besonders bei der ersten Bestellung ist das unabdingbar. In den meisten Fällen läuft das über eine 50/50 Vereinbarung, manche Hersteller akzeptieren aber auch 30/70. Man zahlt also z.B. 50 % im Voraus und die weiteren 50 % dann, wenn die Ware fertig ist. 

Damit sich beide Parteien an die getroffenen Vereinbarungen halten müssen, wird vor der ersten Zahlung noch ein PO-Agreement unterschrieben. Dabei handelt es sich um ein Dokument, in welchem die wichtigsten Punkte der Bestellung aufgelistet (Menge, Produkt, Produktionszeit, Material, Zahlung etc.) und von beiden Parteien unterschrieben werden. So können sich Käufer und Verkäufer gegenseitig absichern. 

Tipp: Wer zum ersten Mal bei Alibaba bestellt, sollte seine Zahlung über die Alibaba Trade-Assurance durchführen. Wenn sich der Produzent nicht an bestimmte Vereinbarungen hält, kann man sein Geld zurückbekommen. Bei Herstellern in Europa ist das etwas unkomplizierter, aber auch hier ist ein klar formulierter Kaufvertrag wichtig. 

4. Unterschied zwischen EXW und FOB 

Bei den beiden Kürzeln EXW und FOB handelt es sich um die zwei am häufigsten verwendeten Incoterms. Diese klären rechtlich bindend, wer während dem Versand zu welchem Zeitpunkt die Verantwortung für die Ware hat. Wenn man Ware aus China bestellt, läuft diese durch viele Stationen und verschiedene Dienstleister bzw. Transportmittel. Wenn während dieser Reise etwas passiert, sollte geklärt sein, wer für den Schaden aufkommen muss. Auch für den Einkaufspreis ist entscheidend, welches Incoterm verwendet wird. In der Regel bekommt man die Preisangebote für EXW oder FOB. 

  • EXW steht für Ex-Works und bedeutet, dass der Verkäufer während dem Versand keinerlei Verantwortung hat. Er haftet also nur für die Schäden auf dem eigenen Grundstück. Die Ware wird also durch einen vom Käufer beauftragten Logistiker abgeholt und von diesem nach Deutschland verschickt. Der Vorteil an EXW ist, dass die Einkaufspreise etwas günstiger sind, während der Logistiker einen höheren Aufwand hat. 
  • FOB ist die Abkürzung für Free-on-Board. Hier trägt der Verkäufer die Verantwortung für den Versand der Ware bis zum Zielhafen. Sobald die Ware dort ankommt, übernimmt der vom Käufer beauftragte Logistiker den weiteren Versand. In der Regel läuft das so, dass man seinem Logistiker den Kontakt des Herstellers gibt und dieser den genauen Ablauf plant. Man selbst muss also nicht zwischen den Parteien vermitteln. 

Der Logistikprozess unterscheidet sich bei diesen Distanzen und größeren Mengen stark vom klassischen Versand über DHL oder UPS, wo man seine Pakete online frankieren kann. Solche Firmen direkt zu beauftragen lohnt sich nur, wenn es sich um wirklich wenig Pakete handelt. In diesem Fall kann auch der Hersteller den ganzen Versand übernehmen und eine Rechnung stellen. 

Der Logistikbereich bei größeren Mengen ist noch nicht sehr digitalisiert und die Auftragsabwicklung läuft meistens über einen E-Mail Kontakt. Dafür sucht man sich einen Logistiker aus und schreibt eine E-Mail mit allen wichtigen Daten zu Menge, Größe, Gewicht, Incoterm und Adressen. Anschließend erhält man ein Angebot für Luft, Schiff und Bahn. Flugzeug und Bahn geht zwar oft schneller, ist aber deutlich teurer. Hier ein echtes Beispiel für 100 Pakete (EXW) von China nach Deutschland per Schiff. Wichtig: die Preise für Lieferungen unterliegen starken Schwankungen. Dieses Angebot ist zwischen Januar und Februar 2021 entstanden, als die Logistik-Preise relativ hoch waren.  

Industrystock Alternativen: Weitere Plattformen

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, gibt es diverse Seiten, auf denen man nach einem Hersteller suchen kann. Da das Sourcing auf Industrystock für E-Commerce Händler eher mittelmäßig geeignet ist, werden hier noch zwei bekanntesten Alternativen aus China und Deutschland vorgestellt. Dabei handelt es sich um die Seite Alibaba und Wer-liefert-was. 

1. Alibaba: Die Nummer für Sourcing in Asien 

Der Marktplatz Alibaba ist einer der größten, wenn nicht sogar der größte B2B-Marktplatz weltweit. Da es sich um ein chinesisches Unternehmen handelt, findet man auf der Seite hauptsächlich Hersteller aus China. Darüber hinaus haben aber auch Produzenten aus anderen asiatischen Ländern häufig eine Präsenz auf Alibaba. Aufgrund der hohen Reichweite kann man davon ausgehen, dass Hersteller auf anderen chinesischen Sourcing-Plattformen ebenfalls ein Listing auf Alibaba haben. Daher reicht der Marktplatz für die Herstellersuche meistens aus. 

Im Gegensatz zu deutschen Plattformen sucht man auf Alibaba gezielt nach Produkten und bekommt dafür auch die besten Ergebnisse. Für den Suchbegriff Garlic Press erhält man z.B. über 4.000 Ergebnisse aus China. Sobald man ein paar interessante Hersteller gefunden hat, kann man diese direkt über die Plattform kontaktieren. Man wird auch nicht zu externen Seiten weitergeleitet, da jedes Unternehmen eine in Alibaba integrierte Seite hat. 

Industrystock Alternativen

Bei der Suche darf man sich nie auf das Angebotsbild, den angezeigten Preis oder andere Daten verlassen, ohne den Hersteller kontaktiert und danach gefragt zu haben. Da es sich um eine B2B-Plattform handelt, werden Bestellungen ohnehin über einen persönlichen Kontakt abgewickelt und individuell angepasst. Erst nachdem man ein bisschen mit dem Hersteller geschrieben hat, wird in der Regel das Sample bestellt. Sobald das geprüft wurde, nochmal ein Golden-Sample, bevor es an die erste Anzahlung geht. 

Mehr Infos über Sourcing in China und wichtige Informationen zur Verhandlungskultur werden in den folgenden Artikel besprochen: 

>> Sourcing-Erfolgsfaktor Nr. 1: Den richtigen Amazon FBA Hersteller finden
>> Mit Supplier verhandeln: Strategien und Hebel für bessere Ergebnisse

2. WLW: Die beste Anlaufstelle für deutsche Hersteller 

Wer-liefert-was oder auch WLW ist die bekannteste deutsche B2B-Plattform, ohne Spezialisierung auf Industry oder einen bestimmten Geschäftszweig. Trotzdem funktioniert die Suche hier ähnlich wie bei Industrystock. Über eine Suchleiste kann man zwar nach Produkten suchen, die meisten Ergebnisse erhält man jedoch bei der Unternehmenssuche. Bei der Produktsuche nach Knoblauchpresse gibt es beispielsweise nur 28 Resultate. 

Insgesamt gibt es über 590.000 gelistete Angebote in allen Branchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Klickt man auf ein Unternehmen, gelangt man zu einer generellen Übersicht, welche die wichtigsten Daten, die Produkte und die jeweiligen Ansprechpartner beinhaltet. Vorteilhaft ist hier natürlich, dass man genau weiß, mit wem man es zu tun hat und aufgrund der deutschen Sprache und gleichen Kultur, relativ klar kommunizieren kann. 

Schwieriger ist der Erstkontakt, denn deutsche Hersteller werden in der Regel nicht über die Plattform selbst und mit anderen Formulierungen angeschrieben. Da man somit nicht alle Nachrichten gesammelt in einem Tool organisieren kann, wird der Sourcing-Prozess etwas unübersichtlicher. Hier ist eine manuelle Organisation also sehr wichtig. Besonders, wenn man mit 10-30 Herstellern gleichzeitig in Kontakt ist. 

Wie man einen deutschen Hersteller am besten anschreibt und auf was man beim Sourcing in Deutschland noch achten sollte, wird in diesem Artikel beschrieben: wlw – Wer liefert was: Deutsche Hersteller finden

Ein Unternehmen im E-Commerce zu gründen, ist am Anfang mit verschiedenen Arbeitsschritten in unterschiedlichen Themen verbunden. Es ist daher gut, jeden Schritt so simpel und effektiv wie möglich zu gestalten. Das gilt auch für die Herstellersuche. Am besten fokussiert man sich 1-3 Plattformen und sucht dort gezielt nach einem guten Hersteller. Wenn man sich dabei die größten Marktplätze vornimmt, kann man sicher sein, dass die besten Hersteller dort eine Präsenz haben. 


FAQ – Häufig gestellte Fragen


• Was ist Industrystock?

Industrystock ist eine große B2B-Plattform mit der primären Zielgruppe auf Industrieunternehmen. Als Einkäufer kann man über im Verzeichnis nach Herstellern, Lieferanten und Großhändlern aus über 183 Ländern suchen und wichtige Geschäftskontakte knüpfen. Für Anbieter bietet das Portal viele Möglichkeiten, eine starke Online-Präsenz aufzubauen. 

• Wie hoch sind die Kosten bei Industrystock?

Wer die Plattform zur Herstellersuche nutzt, kann dies kostenfrei tun. Auch Firmen können sich kostenlos registrieren und ein einfaches Profil mit ihren Kontaktdaten erstellen. Händler und Hersteller, die ihr Angebot hervorheben wollen, zahlen min. 1000 € pro Jahr, um ihr Unternehmen bei Industrystock zu präsentieren.